Bilder Kirche
 

Baugeschichte der Pfarrkirche Goldau
 
Vorgeschichte

1650
Bau einer Kapelle, die beim Bergsturz am 2. September 1806 unter den Schuttmassen begraben wurde

1810
Bau des Pfrundhauses mit Kapelle, Schulzimmer und Wohnung für den Kaplan

1849
Einweihung einer kleinen Kirche mit 200 Sitzplätzen auf der PAX-Wiese. Dieses Kirchlein wurde nach Vollendung der heutigen Pfarrkirche 1910 abgetragen.

1906
2. September (genau 100 Jahre nach dem Bergsturz): Grundsteinlegung für den Bau der Herz-Jesu-Kirche durch Bischof Johannes Fidelis Battaglia von Chur

Bau der Kirche im neuromanischen Stil unter Kaplan Gustav Ott nach den Plänen des bekannten St. Galler Kirchenarchitekten August Hardegger

1908
16. August: Weihe der fünf bei Grassmayr in Feldkirch gegossenen Glocken

1909
5. September: Einweihung der Herz-Jesu-Kirche durch den Churer Bischof Dr. Georgius Schmid von Grüneck

1928
Einbau einer Orgel durch die Orgelbau AG, Willisau

1931
Ergänzung des Chorbogens durch das Christkönigs-Kreuz

1931/1934
Bemalung des Kirchenraumes in zwei Etappen (1931: Chorapsis mit dem Triumphbogen / 1934: Kirchenschiff mit den Kreuzwegstationen) durch den Tuggener Kunstmaler Georg Weber (1884-1978)

1932
Einbau des jetzigen Hochaltares und der beiden Seitenaltäre, geschaffen durch die Einsiedler Bildhauer Payer und Wipplinger

1977
13. März: Einweihung der neuen Orgel, gebaut durch die Firma Mathis Orgelbau AG, Näfels

1988/89
Renovation der Aufbahrungshalle PAX

1993/94
Innenrenovation der Pfarrkirche unter Leitung von Architekt Oskar Pekarek, Schmerikon (Architektur-Büro Felix Schmid, Rapperswil)

Konservierung der Malereien von Georg Weber sowie Neukonzeption der Farbgebung der Raumschale durch Restaurator Rino Fontana in Firma Fontana und Fontana, Rapperswil

Neugestaltung des Chorbereiches (mit Zelebrationsaltar, Ambo, Osterkerzenstock) und der Kreuzwegstationen im Kirchenschiff durch Bildhauer Hans-Peter von Ah, Ebikon

1994/95
Künstlerische Gestaltung des alt- und neutestamentlichen Bilderzyklus durch Kunstmaler Roman Candio, Solothurn

1994
29. Mai (Dreifaltigkeitssonntag): Einsegnung der renovierten Kirche mit Altarweihe durch Abt Pankraz Winiker, Disentis

















    


 

Die Kirche im äusseren Erscheinungsbild
 
Die Goldauer Kirche ist im äusseren Erscheinungsbild im besten Sinnes des Wortes ein Bergsturzdenkmal. Einerseits fand die Grundsteinlegung (2. September 1906) genau 100 Jahre nach dem Goldauer Bergsturz statt. Andererseits wurde die Kirche ganz aus Nagelfluhgestein - weitgehend in Fronarbeit - erbaut. Mit ihren Natursteinmauern und der kräftigen Formensprache ist die Goldauer Kirche ein eigenständiges und einmaliges Bauwerk.

Der bekannte St. Galler Kirchenarchitekt August Hardegger hat es verstanden, eine Kirche zu bauen, welche die Geschichte und das Schicksal eines Dorfes und einer Landschaft miteinbezieht.




    


 

Der Kirchenraum
 
Die neuromanische Kirche verbindet das Schema der dreischiffigen Basilika mit Elementen eines robusten Schweizer Heimatstils. Dank der gelungenen Renovation wirkt nun der gesamte Kirchenraum freundlich und einladend und überrascht durch seine auffallend gestalterische Frische. Der Raum vermittelt ein Gefühl von Freiheit, Licht und Weite.
Die Kirche dient vor allem der christlichen Gemeinde zur gottesdienstlichen Versammlung. Er steht aber auch für alle offen, die ihn als Ort des Gebets, der Stille und der Besinnung aufsuchen. Als Ort der Gottesbegegnung ist der Kirchenraum eine heilige und ehrfurchtgebietende Stätte. Hier kann Begegnung mit Gott stattfinden, der als Gastgeber die Menschen einlädt und stärkt, verwandelt und in die Welt sendet.



Vater im Himmel, der bevorzugte Ort, wo du wohnen willst,
ist das menschliche Herz, das sich dir und deiner Liebe öffnet.
Du bist aber auch gegenwärtig inmitten der christlichen Gemeinde,
die im Namen deines Sohnes zusammenkommt,
die gemeinsam die Geheimnisse des Glaubens feiert
und sich von dir beschenken und befähigen lässt
für den Dienst an der Welt.

    


 

Der Altar
 
Seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-65) spricht man von zwei aufeinander bezogenen Tischen in der Kirche: Der Altar als Tisch des Brotes Gottes, der Ambo als Tische des Wortes Gottes. Darum nimmt in jeder katholischen Kirche der Altar neben dem Ambo einen hervorgehobenen und zentralen Platz ein, weil er Symbol für Christus ist. Dies kommt in der Goldauer Pfarrkirche besonders deutlich zum Ausdruck. Der Altar - geschaffen nach den Plänen von Hans-Peter von Ah - bildet hier nicht bloss das theologische, sondern auch das optische Zentrum. Der Altar steht genau im Diagonalschnitt des Chorraumes. Die Rondelle aus weissen Marmorplatten, die den Altar umkreist, hebt die Bedeutung des Altares zusätzlich hervor.
Der Altartisch aus weissem Marmor wird von einem serpentin-grünen Monolithen (Mittelteil) und zwölf weissen Marmor-Säulen getragen. Dadurch erhält der Zelebrationsaltar seine zentrale Bedeutung und Eigenständigkeit, schafft aber zugleich durch die Materialienwahl und die Formensprache einen Bezug zum Hochaltar, wo sich nach wie vor der Tabernakel befindet.
Bei der Altarweihe (29. Mai 1994) wurden im Zelebrationsaltar Reliquien des hl. Felix und des hl. Fidelis von Sigmaringen eingemauert:
 


  


Der hl. Felix, ein Katakombenheiliger, ist als Märtyrer in Rom gestorben. Es sind über ihn keine näheren Lebensdaten bekannt.
Der hl. Fidelis von Sigmaringen (1578-1622), Kapuziner, wirkte u.a. als ausgezeichneter Prediger in Altdorf und Feldkirch. Beim Versuch, Graubünden für den katholischen Glauben zurückzugewinnen, leitete er die Rhätische Mission. Er zog sich dadurch den Hass der Calvinisten zu und wurde vor der Kirche in Seewis im Prättigau am 24. April 1622 von aufgehetzten Bauern erschlagen. Sein Haupt kam ins Kapuzinerkloster von Feldkirch, seine Gebeine in die Churer Kathedrale. Sein Einsatz für Glaube und Kirche rechtfertigte seine Heiligsprechung (1746).
  
 
Guter Gott, der Altar ist für uns ein Bild für Jesus Christus,
der seiner Kirche die heiligen Sakramente geschenkt hat.
Dieser Altar ist für uns eine festliche Tafel,
um die wir uns als Schwestern und Brüder Christi freudig versammeln.
Hier können wir unsere Sorgen auf Dich, unseren Gott, werfen
und neue Kraft schöpfen für den Weg, auf dem du uns führen willst.
Hier dürfen wir den hl. Leib deines Sohnes empfangen,
damit wir wachsen im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe.
Der Altar sei Quelle der Einheit für die christliche Gemeinde
und Mittelpunkt unseres Lobens und Dankens.

    


 

Der Ambo

Mit Ambo wird das Lesepult bezeichnet, an dem im Wortgottesdienst der heiligen Messe - oder auch beim eigenständigen Wortgottesdienst - die Lesung, das Evangelium, die Predigt vorgetragen wird. Er bildet daher den Tisch des Wortes Gottes. In der Goldauer Pfarrkirche ist der Ambo - ebenfalls ein Werk von Hans-Peter von Ah - besonders eindrücklich gestaltet. Er wurde aus Veroneser Marmor geschaffen und besteht aus einer starken Mittelsäule und vier weiteren tragenden Säulen. Die Mittelsäule symbolisiert Christus, das ewige Wort Gottes. Die vier Säulen weisen auf die vier Evangelisten hin.

Herr, unser Gott, durch deinen Sohn Jesus Christus
Hast du uns die Frohe Botschaft
von deiner Güte und Menschenfreundlichkeit gebracht.
Erleuchte jene, die in deinem Auftrag
dein Wort verkünden und es den Gläubigen auslegen.
Öffne die Herzen aller, die dein Wort hören,
damit sie es aufnehmen und reiche Frucht bringen.



    


 

Der Taufbrunnen

Als Taufbrunnen (Taufbecken, Taufstein) wird der Taufwasserbehälter bezeichnet, an dem die Taufe stattfindet. Da die Taufe - nebst der Aufnahme in die Gemeinschaft mit Christus - Eingliederung in die christliche Gemeinde bedeutet, muss in jeder Pfarrkirche ein Taufbrunnen vorhanden sein. Er befindet sich meist in der Nähe des Altarraumes, was nun im Zusammenhang mit der Renovation der Pfarrkirche Goldau möglich geworden ist. Der restaurierte neuromanische Taufstein in Veroneser Marmor hat unmittelbar vor den Chorstufen seinen Platz erhalten, wodurch die Möglichkeit gegeben ist, das Taufgeschehen auch in den Gemeindegottesdienst einzubeziehen. Der Taufstein ist mit Mosaiksteinchen geschmückt und trägt die Inschrift: „Wer glaubt und getauft ist, wird selig werden“. 
   
 
Lebensspendender Gott, durch Glaube und Taufe
Hast du uns zu deinen Söhnen und Töchtern berufen
und uns zu Gliedern deiner Kirche erwählt.
Lass uns die Taufe verstehen als Geschenk und Aufgabe,
damit wir nicht nur Christen heissen,
sondern es in Wahrheit sind.

  



    


 

Die Orgel

Die Orgel befindet sich auf der Empore der Kirche. Sie ist das Werk der Firma Mathis Orgelbau AG, Näfels. Die Orgel verfügt über 23 Register, 2 Manuale, eines davon für das Schwellwerk. Traktur und Registratur sind rein mechanisch, mit den üblichen Spielhilfen. Die Orgel wurde am 13. März 1977 feierlich eingeweiht.
Bei der Renovierung der Pfarrkirche wurde das Orgelgehäuse an den Kirchenraum angepasst und erhielt ein schmuckes Kleid. Farb- und Formensprache der Orgel steht nun in Verbindung mit dem Hochaltar, so dass gleichsam eine Zwiesprache entstanden ist von „ganz vorn“ zu „ganz hinten“. Die vergoldeten Schnitzereien im Orgelprospekt und die vergoldeten Figuren im Hochaltar verdeutlichen diesen dialogischen Aspekt.
Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Die besinnliche und festliche Atmosphäre, die sie schafft, vermag die Herzen der Gläubigen zum gemeinsamen Lobpreis Gottes anzuregen und zu erheben. 


 
 

Grosser und barmherziger Gott,
mit Gebet und Gesang anerkennen wir dich als unseren Schöpfer und Erlöser
und preisen dich dankbar für dein Wirken in unserem Leben und in dieser Welt.
Die Orgel möge den Gesang deiner Erlösten unterstützen
und durch ihre Musik auch anregen zur Besinnung und Meditation.
Verleihe uns die Gnade,
dass wir das, was wir mit dem Munde singen,
im Herzen glauben und durch Taten leben.



    


 

Baugeschichte der Pfarrkirche Goldau
 
Weitere Informationen

Heft
Kaplan Gusav Ott
Der Goldauer Kirchenbauer



 




 
Büchlein
Pfarrkirche Goldau

  

Beide Unterlagen können im Sekretariat/Pfrundhaus bezogen werden.